lounge-louiserl und bizliz

Eine Superheldinne par Exsellangs rettet die Behauptstadt.
 

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Immer wenn die Bimmel stöhnt...

BizLiz mochte die Office-Küche nicht. Größtenteils lag das daran, dass die meisten hier „Teeküche“ dazu sagten. Sogar jetzt noch, nachdem der eine der drei Geschäftsführer seine alte Designerküche hier hatte montieren lassen. (Seine neue Frau stand auf Landhaus. Da war die Bullenthaupter-Cuisine von der abgelegten Madame eben hier gelandet). Ein bisschen schwang das Drama der Ex-Gattin mit, wenn die Schubladen sich per Automatik selbst zuzogen, fand BizLiz, die den Dingern nicht eine Sekunde lang über den Weg traute. Lustlos würfelte sie die vom Vakuum befreiten Coffee-Cubes in den Maker. Absolut kein Duft. "Alles Aroma für die Tasse nicht für die Küche!" sagte die Werbung über dieses Gerät, das sich selbst das Wasser aus der Umluft zog. BizLiz dachte darüber nach wie mies die Luft hier in der letzten Zeit oft war. Besonders seit Heikos Inhaftierung. 

Der vertraute Folterschrei riss sie aus Ihrem dehydrierten Tagtraum. BizLiz drückte den Öffner. Sie hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, dass die Türklingel hier funny war. Damit halfen sich die Altgedienten hier ein bisschen über das Alt- und Gedientsein hinweg.

 

Douglas!  Doublesix starrte durch BizLiz hindurch, als er sie aufgesetzt begeistert begrüßte. Sie erschrak im ersten Augenblick zu Tode. Mit ihm hatte sie nun gar nicht gerechnet. Doublesix schien sie nicht zu erkennen. Vielmehr ignorierte er sie geradezu. Sie drehte sich um, seinem Blick folgend... die beachtliche, blanke Oberarmmuskulatur eines illegalen Immigranten schraubte gerade Stahlplatten an die gegenüberliegende Tür.

 

BizLiz verstellte ihre Stimme ein wenig und brachte den Gast zum Konferenzraum. Bizepsseidank, nahm Douglas sie kaum zur Kenntnis. Er schien weit davon entfernt zu sein die Freundin in ihr zu erkennen, mit der er sich in den Afterworkwelten der Behauptstadt unersetzlich zu machen pflegte. Das Lounge-Louiserl war der dahinstaksenden grauen Aktendeckelin BizLiz ja auch in der Tat nicht anzusehen.

 

Vor der Tür hielt sie einen Moment inne. Graffkes Stimme war halblaut zu hören. Er schimpfte. Man konnte Stühlerücken vernehmen. Dann Tilles beleidigtes Stampf-Gestöckel. Herrgottnochmal, wie drittklassig das alles schon wieder anfing, heute morgen! BizLiz schämte sich für diese Klitsche. Sie wurde einfach nichts eins damit.

 

Es hatte sie sehr lange gestört, dass Besucher dieses Hauses grundsätzlich „Termin“ hießen. Vorname: Uhrzeit.  Sie stieß die Tür auf. „Herr Graffke, der 10-Uhr-Termin!“, stellte sie ihren besten Freund und treuesten Weggefährten Douglas Doublesix dem Abteilungsleiter vor.

Graffke strammte sich. Die vorschnellende Grußhand am angststeifen Unterarm war seine schlimmste Verräterin. Ronnie Graffke war in einem Hort normiert worden. Er grüßte pseudosouverän. LizBiz fand es immer ultrapeinlich, wenn er diesen Million-Dollar-Smile versuchte.

Und er schickte sie auch schon raus. „Der Kaffee… Könnten sie uns bitte…“

Doublesix und sein Lederparfüm nahmen den Raum ein. Die Nummer mit dem Marketingschnösel heute früh war im Wagen gelaufen. Das Conolly hatte sich eingebrannt.  Nicht nur in die Knie! Douglas unterdrückte ein Grunzen. Er fühlte sich unangreifbar. Sogar von diesem Setting hier.

Graffke bat ihn zu Tisch. „Und sie sind nun also der berühmte Herr Doublesix“, versuchte er ein amüsantes Entré. „Danke!“ entfuhr es Douglas. Er überlächelte Graffkes  abscheuliche Janni Versage-Krawatte direkt unter dem Rasierbrand.  Danke hatte er einfach gesagt. Danke. Graffke konnte nicht mehr.  Danke, - was war das denn für eine Antwort? Er war sprachlos.

BizLiz war mit dem Kaffee zurück und klapperte mit den sechseckigen Bechern.  Douglas beendete das peinliche Schweigen. „Herr Graffke, Herr Bohnbeutel hat mir von einem neuen Markt berichtet, den sie penetrieren möchten…“, versuchte er das Gespräch in’s Rollen zu bringen.

Und richtig: Da konnte der Abbi wieder.  Das vorlaute Vorpreschen dieses lauwarmen Lackaffen, ging ihm erheblich gegen den Strich. Herr Bohnbeutel hat mir… Darauf konnte Graffke ja überhaupt gar nicht. So nich, mein Lieber! Hochnäsigkeit war wirklich das Letzte.  Aber Bohne, der feine Herr Bohnbeutel  also, hatte ja schon immer den Hang zu Höherem gehabt. Schon damals noch zu Ostzeiten. Bohne hatte mit Dekadenz noch nie Probleme. Und nun, da er der Herr Vorstand Bohnbeutel himself war, verkehrte er mit Typen wie olle Lederstinker Douglasie Doppelsitz, ganz klar.

Ronnie Graffke nahm einen Schluck. Seine Stimmbänder relaxten sich demonstrativ im Unterleib. Tiefer ging nich. Cooler auch nicht. Die Fernbedienung wurde zur Knarre. Klick. Der Beamer zeigte bunte Säulen. Tagesschaumäßig. Doublesix schluckte einen ersten Gähner herunter.  Der Abbi legte sich in’s Zeug.

„…Marktführer im Bereich Online-Gaming, Award für beste Grafik bei Menschenrechtsverletzungen, Global Award für Persönlichkeitsbildung, Europäischer Youth Control-Preis,….“ Graffke hörte diese nun schon so oft vorgetragenen  eigenen Worte immer noch genauso gerne wie beim ersten Mal. Sie waren der Stahl den sein Körper brauchte, um genau die richtige Beamerhaltung einzunehmen. So wie jetzte.

 Douglas hielt das alles nicht für wahr. Er wünschte sich nicht zum ersten Mal in seinem Berufsleben Zeugen herbei .    „Hol Dir die Würde, die Du brauchst bei Deinen Feinden!“ formulierte Graffke das Grundkonzept des Programms. Er war herrlich im Fluss. Zwölf Jahre waren zwölf Jahre. Und so wie er konnte kein Zweiter hier im Laden den Film aufrollen, in dem sie alle spielten.  

"Sie sind schon lange hier im Unternehmen?" wollte sich Douglas seines Eindrucks rückversichern. "Das kann man so wohl sagen", brummte der Abbi extra lässig. Die Unsicherheit des Mister Doublesix nährte ihn köstlich. Douglas Mimik befand sich in einem Rotationsmodus. Sie spielte wieder und wieder alles ab, was seine Gesichtsmuskeln so drauf hatten. Graffke hatte das Feld bereitet. Nun konnte er vernünftig arbeiten.

"Dann haben Sie ja wohl schon alles erreicht, was man erreichen kann in ihrem Segment", stammelte Douglas Doublesix, der Unternehmensberater, schwach. Ihm war nicht wohl. Angefangen von den blauen Lochblechfronten der Schränke hier bis zum Brigadeführergebaren seines Gegenübers, erdrückte ihn hier alles. Gamedesigner arbeiteten hier? Entwickler, Grafiker, alle Arten von Kreativen? Der Schriftzug "zu lassen" unter dem Fenstergriff war mit einer Buchstabenmaschine gemacht worden...

Graffke legte eine Denkpause ein. Douglas Puls fuhr Fahrstuhl. Was würde ihn nun erwarten? Was hatte man hier mit ihm vor? Was wollten diese preisgekrönten Online-Metzler hier um Gottes Willen von ihm? 

Draußen auf dem Flur wurde es lauter und lauter. Irgendjemand schien Schmerzen zu haben. Oder waren das Testläufe eines neuen PC-Games?

 

Geschafft. Uff, das ging ja !

Douglas begab sich geradewegs zum Friseur. Bis zum ersten Drink waren auch noch zwei Stunden Zeit. Ein oder zwei Mal Marek ohne Föhnen war da absolut noch drin. Er wedelte sich mal eben schnell eine entsprechende Message vom Palm, direkt auf den Salonmonitor in Perllauerberg. Er freute sich schon teuflisch auf die hydraulische Up-and-Down-Funktion der Waxing-Liege dort. Mareks gruselige Vorliebe für befremdliche Kontaktlinsen blendete er einfach aus. Für mehr als Hinterhauptbetrachtungen, wollte er sich heute ohnehin keine Zeit nehmen.

 

 

25.1.09 15:47

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


schlendrian (25.1.09 17:04)
mensch, mensch, mensch,.. wer hat denn die grausame grafik verbrochen?

ring me babe!
schlender not slender


Beate (25.1.09 17:12)
Schlender, olle Grafik-Kröte, det machte se niedlich. Lass ihr ma weitamachn so..
Beate


lounge-louiserl (25.1.09 18:26)
besser kann ich nicht, schatzl.
hab dem kerl aber noch einen drauf gegeben für dich!

ll


Schlender (26.1.09 19:04)
warum ist die Schrift mal lila und mal schwarz? Überhaupt: für meinen Geschmack einen Tick zu homo bis jetzt. Hatte mehr Bunnies erwartet.


lounge-louiserl (26.1.09 19:08)
danke für den input, schlanker. das schriftfarben-problem verstehe ich selbst nicht...
Bunnies werden selbstverständlich auf Wunsch eingebaut. Brauche nur ein bisserl mehr Zeit noch.
Bussi,
ll


(15.3.09 14:36)
...na ja!....da bleib ick alternder hetero doch lieber bei Irvine Welsh...zumal ja wohl ein weenich die luft raus ist..."streng dich an!" will man dir zurufen...

Dein Dich liebender Charlotten- oder Brandenbock

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