lounge-louiserl und bizliz

Eine Superheldinne par Exsellangs rettet die Behauptstadt.
 

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Kinder, wie die Zeit vergeht!

Lounge-Louiserl &Biz Liz

Eine Superheldinne par Exsellangs rettet die Behauptstadt.

Geschrieben vom Leben, festgehalten von Ericaine Am.

Freulein L., die Protagonistin, ist mit einer Doppelidentität geschlagen.  Als behauptstädtisches Office-Girl BizLiz schuftet sie in einem herübergeretteten New Economy-Kombinat, gemobbt von der neupatenten Kollegin Typing-Tilly (Tille) und schmerzvoll ignoriert vom Chef, Ronny Graffke, der Westen mit vier Knöpfen aufträgt. 

Keiner in diesem Umfeld ahnt, dass es BizLiz ist, die in ihrer zweiten Identität Lounge-Louiserl immer wieder alles und jeden rettet. Idleing about, lümmelnd und lungernd, auf Kissen und Polstern, führt sie so manchen Unhold über, so manche Revolution zum Ziel. Treuer Weggefährte ist ihr dabei der imposante, schnittige Douglas Doublesix, ein Grand Gaylord aus der Unternehmensberaterbranche.

Verfolgen Sie selbst mit wie das Schicksal unser Freulein L. durchs Berufsleben und die unendlichen Weiten des gesellschaftlichen Katastrophenschutzes wirbelt.

Erleben sie mit, was passiert, wenn BizLiz' Chef zum ersten Mal dem Lounge-Louiserl begegnet...  

 

 

Raglanärmel waren einfach das Letzte, wenn es darum ging in einem Acryl-Cardigan aus einem ungefütterten Polyester-Blazer zu schlüpfen. Peinlichst ungelenk wand sie sich auf dem hin- und herrollenden Bürostuhl. Ihre eingesperrten Brüste federten prall, kreisten fast. Es zischte und blitzte blöd. BizLiz war geladen!

Sicherlich, Ragnar, ihr Stricker konnte nur Raglan, aber dennoch: So konnte es nicht weiter gehen. Sie durfte sich das nicht länger gefallen lassen. Entnervt nahm sie wieder Haltung an und schob die trendigen Blickdichten unter den Glastisch. Noch so eine Sache: Da wählt man nun selbst blickdicht und dann stellen die einem klares Glas dahin. 

Ihre giftgrünen Augen blickspritzten herum. Doch keiner der Großraumkollegen schien sie zu beachten.

Typisch für die Männer dieser Stadt, dachte BizLiz. Selbst, um einem auf die Beine zu starren waren sie zu schlaff.  

Douglas genoss seine Fahrstuhlfahrt in den achten Stock. Die Spiegel hier drinnen machten möglicherweise ein paar Pfund schlanker. Zwei, drei, na ja, vielleicht zweikommafümmf. Er fühlte sich phantastisch.

Die Männer in dieser Stadt waren von ganz besonderer Spannung. Immer auf dem Sprung, immer etwas vor, immer auf Zack. Immer Adonis. So seine Tagesmeinung. Erstmals seit Längerem.

Nach diesem frühen "Termin" mit einem Marketing-Assistenten fühlte er sich geradezu unbesiegbar. Burschen, die New Labour für eine akzeptierte Kleidungsvariante hielten, frühstückte er ohne Sättigungsgefühl. Er hatte dem jungen Mann mal ganz quick gezeigt, wofür eine vernünftige Krawatte gut sein kann.

So lendenerfrischt, freute er sich auf die erste Begegnung mit seinem neuen Kunden.

BizLiz musste zum Chef. Knisternd erhob sie sich und zupfte den Rock zurecht, der futterfrei elektrisch an den Nylons klebte. Typing-Tilly, die nun vor ihr hervoguete, trug genau den gleichen. Nur eben in Felsgrau. Ihrer war ja steingrau. Sie legte Wert auf Individualität à l'époche.

"Was ist denn?" wollte sie von der Kollegin wissen. Doch Typing-Tilly war ganz Triumph. Mit hospitalitätischer Geste riss sie die Türe zum Besprechungszimmer auf.

Der Abbi, wie die Mitarbeiterinnen den Abteilungsleiter hinterrücks kürzten, stand mitten im Raum und schob kleine Barcode-Kartons auf seinem Konferenztisch herum. Weil dieser sauteuer und aus Italien war, hatte er eine organische Form.

Das Organ des Abbi wurde teilweise gefährlich zwischen Tischplatte und Abbi eingequetscht, wenn dieser sich bemühte ein Kartönchen vom Zentrum des Tischs zu hangeln. Er platzierte offenbar an jedem Sitzplatz eines. Von den Stellen des Tisches aus, die an den Taillen der Platte lagen, war das Kartönchengreifen ganz einfach und ging ohne viel Herüberlehnen über die Bühne. Organschonend. BizLiz und Typing-Tilly starrten fasziniert. 

"Was wird denn das?", fragte Typing-Tilly, die wusste wie wichtig es war offen Interesse zu zeigen und Erste darin zu sein. Der Abbi war vom gleichen Coach konditioniert wie sie. Nur eben über die Premium-Executive-Schiene. Er reagierte also schematisch und gab ihr innerlich Pluspunkte. 

BizLiz war zusammengezuckt. Sie fand Tille mal wieder schrecklich schnippisch. Hätten sie beide nicht viel mehr dem Abbi zur Hand gehen sollen?

BizLiz' Old-BRD-School-Gehabe, konnte hier keiner so richtig ab. Sie arbeitete zwar dran es abzulegen, was Graffke in seinen Akteneinträgen auch gelegentlich anerkannte, aber ihr Abstand zum Kollek..., zum Team war doch noch enorm.

Ihre bourgeoise Frage "Wollen wir die Give Aways denn in diesen hässlichen Schachteln lassen?", überhörte er routiniert.

"Setzen Sie bitte Kaffee auf. Wir haben hier gleich ein Meeting", schickte der Abbi sie wieder hinaus. BizLiz fügte sich, froh nicht länger darüber nachdenken zu müssen, welchen Eindruck die vielen unschönen Pappkartons auf dem Designertisch auf Menschen machten, die den Konferenzraum betraten.

Abteilungsleiter Graffke, also Ronny Graffke, war sichtlich nervös. Wie immer machte er alles selbst und teilte sich kaum mit. Typing-Tilly, seine Mitarbeiterin, drehte an ihrem Augenbrauenpiercing. Im Kopf spielte sie verschiedene Posen durch, die sie aus ihrer Lieblingsfernsehserie kannte "Urban & unterm Gürtel". Sie hatte sich schnell entschieden und versuchte nun also ihrem flatternden Chef ein bisschen mit dem Popo im Wege zu sein.   

Mühevoll zwängte er sich an ihr vorbei. Sie war überrascht. War es doch standardisiertes Betriebsvergnügen in diesem Unternehmen sich von den Funktionären ein bisschen... Nun schön! Typing-Tilly wusste nun echt nicht mehr weiter.

Die abgehobene Schnepfe BizLiz würde vermutlich in der Teeküche wieder gewaltigen Schaden anrichten. 

 

1 Kommentar 24.1.09 17:33, kommentieren

Immer wenn die Bimmel stöhnt...

BizLiz mochte die Office-Küche nicht. Größtenteils lag das daran, dass die meisten hier „Teeküche“ dazu sagten. Sogar jetzt noch, nachdem der eine der drei Geschäftsführer seine alte Designerküche hier hatte montieren lassen. (Seine neue Frau stand auf Landhaus. Da war die Bullenthaupter-Cuisine von der abgelegten Madame eben hier gelandet). Ein bisschen schwang das Drama der Ex-Gattin mit, wenn die Schubladen sich per Automatik selbst zuzogen, fand BizLiz, die den Dingern nicht eine Sekunde lang über den Weg traute. Lustlos würfelte sie die vom Vakuum befreiten Coffee-Cubes in den Maker. Absolut kein Duft. "Alles Aroma für die Tasse nicht für die Küche!" sagte die Werbung über dieses Gerät, das sich selbst das Wasser aus der Umluft zog. BizLiz dachte darüber nach wie mies die Luft hier in der letzten Zeit oft war. Besonders seit Heikos Inhaftierung. 

Der vertraute Folterschrei riss sie aus Ihrem dehydrierten Tagtraum. BizLiz drückte den Öffner. Sie hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, dass die Türklingel hier funny war. Damit halfen sich die Altgedienten hier ein bisschen über das Alt- und Gedientsein hinweg.

 

Douglas!  Doublesix starrte durch BizLiz hindurch, als er sie aufgesetzt begeistert begrüßte. Sie erschrak im ersten Augenblick zu Tode. Mit ihm hatte sie nun gar nicht gerechnet. Doublesix schien sie nicht zu erkennen. Vielmehr ignorierte er sie geradezu. Sie drehte sich um, seinem Blick folgend... die beachtliche, blanke Oberarmmuskulatur eines illegalen Immigranten schraubte gerade Stahlplatten an die gegenüberliegende Tür.

 

BizLiz verstellte ihre Stimme ein wenig und brachte den Gast zum Konferenzraum. Bizepsseidank, nahm Douglas sie kaum zur Kenntnis. Er schien weit davon entfernt zu sein die Freundin in ihr zu erkennen, mit der er sich in den Afterworkwelten der Behauptstadt unersetzlich zu machen pflegte. Das Lounge-Louiserl war der dahinstaksenden grauen Aktendeckelin BizLiz ja auch in der Tat nicht anzusehen.

 

Vor der Tür hielt sie einen Moment inne. Graffkes Stimme war halblaut zu hören. Er schimpfte. Man konnte Stühlerücken vernehmen. Dann Tilles beleidigtes Stampf-Gestöckel. Herrgottnochmal, wie drittklassig das alles schon wieder anfing, heute morgen! BizLiz schämte sich für diese Klitsche. Sie wurde einfach nichts eins damit.

 

Es hatte sie sehr lange gestört, dass Besucher dieses Hauses grundsätzlich „Termin“ hießen. Vorname: Uhrzeit.  Sie stieß die Tür auf. „Herr Graffke, der 10-Uhr-Termin!“, stellte sie ihren besten Freund und treuesten Weggefährten Douglas Doublesix dem Abteilungsleiter vor.

Graffke strammte sich. Die vorschnellende Grußhand am angststeifen Unterarm war seine schlimmste Verräterin. Ronnie Graffke war in einem Hort normiert worden. Er grüßte pseudosouverän. LizBiz fand es immer ultrapeinlich, wenn er diesen Million-Dollar-Smile versuchte.

Und er schickte sie auch schon raus. „Der Kaffee… Könnten sie uns bitte…“

Doublesix und sein Lederparfüm nahmen den Raum ein. Die Nummer mit dem Marketingschnösel heute früh war im Wagen gelaufen. Das Conolly hatte sich eingebrannt.  Nicht nur in die Knie! Douglas unterdrückte ein Grunzen. Er fühlte sich unangreifbar. Sogar von diesem Setting hier.

Graffke bat ihn zu Tisch. „Und sie sind nun also der berühmte Herr Doublesix“, versuchte er ein amüsantes Entré. „Danke!“ entfuhr es Douglas. Er überlächelte Graffkes  abscheuliche Janni Versage-Krawatte direkt unter dem Rasierbrand.  Danke hatte er einfach gesagt. Danke. Graffke konnte nicht mehr.  Danke, - was war das denn für eine Antwort? Er war sprachlos.

BizLiz war mit dem Kaffee zurück und klapperte mit den sechseckigen Bechern.  Douglas beendete das peinliche Schweigen. „Herr Graffke, Herr Bohnbeutel hat mir von einem neuen Markt berichtet, den sie penetrieren möchten…“, versuchte er das Gespräch in’s Rollen zu bringen.

Und richtig: Da konnte der Abbi wieder.  Das vorlaute Vorpreschen dieses lauwarmen Lackaffen, ging ihm erheblich gegen den Strich. Herr Bohnbeutel hat mir… Darauf konnte Graffke ja überhaupt gar nicht. So nich, mein Lieber! Hochnäsigkeit war wirklich das Letzte.  Aber Bohne, der feine Herr Bohnbeutel  also, hatte ja schon immer den Hang zu Höherem gehabt. Schon damals noch zu Ostzeiten. Bohne hatte mit Dekadenz noch nie Probleme. Und nun, da er der Herr Vorstand Bohnbeutel himself war, verkehrte er mit Typen wie olle Lederstinker Douglasie Doppelsitz, ganz klar.

Ronnie Graffke nahm einen Schluck. Seine Stimmbänder relaxten sich demonstrativ im Unterleib. Tiefer ging nich. Cooler auch nicht. Die Fernbedienung wurde zur Knarre. Klick. Der Beamer zeigte bunte Säulen. Tagesschaumäßig. Doublesix schluckte einen ersten Gähner herunter.  Der Abbi legte sich in’s Zeug.

„…Marktführer im Bereich Online-Gaming, Award für beste Grafik bei Menschenrechtsverletzungen, Global Award für Persönlichkeitsbildung, Europäischer Youth Control-Preis,….“ Graffke hörte diese nun schon so oft vorgetragenen  eigenen Worte immer noch genauso gerne wie beim ersten Mal. Sie waren der Stahl den sein Körper brauchte, um genau die richtige Beamerhaltung einzunehmen. So wie jetzte.

 Douglas hielt das alles nicht für wahr. Er wünschte sich nicht zum ersten Mal in seinem Berufsleben Zeugen herbei .    „Hol Dir die Würde, die Du brauchst bei Deinen Feinden!“ formulierte Graffke das Grundkonzept des Programms. Er war herrlich im Fluss. Zwölf Jahre waren zwölf Jahre. Und so wie er konnte kein Zweiter hier im Laden den Film aufrollen, in dem sie alle spielten.  

"Sie sind schon lange hier im Unternehmen?" wollte sich Douglas seines Eindrucks rückversichern. "Das kann man so wohl sagen", brummte der Abbi extra lässig. Die Unsicherheit des Mister Doublesix nährte ihn köstlich. Douglas Mimik befand sich in einem Rotationsmodus. Sie spielte wieder und wieder alles ab, was seine Gesichtsmuskeln so drauf hatten. Graffke hatte das Feld bereitet. Nun konnte er vernünftig arbeiten.

"Dann haben Sie ja wohl schon alles erreicht, was man erreichen kann in ihrem Segment", stammelte Douglas Doublesix, der Unternehmensberater, schwach. Ihm war nicht wohl. Angefangen von den blauen Lochblechfronten der Schränke hier bis zum Brigadeführergebaren seines Gegenübers, erdrückte ihn hier alles. Gamedesigner arbeiteten hier? Entwickler, Grafiker, alle Arten von Kreativen? Der Schriftzug "zu lassen" unter dem Fenstergriff war mit einer Buchstabenmaschine gemacht worden...

Graffke legte eine Denkpause ein. Douglas Puls fuhr Fahrstuhl. Was würde ihn nun erwarten? Was hatte man hier mit ihm vor? Was wollten diese preisgekrönten Online-Metzler hier um Gottes Willen von ihm? 

Draußen auf dem Flur wurde es lauter und lauter. Irgendjemand schien Schmerzen zu haben. Oder waren das Testläufe eines neuen PC-Games?

 

Geschafft. Uff, das ging ja !

Douglas begab sich geradewegs zum Friseur. Bis zum ersten Drink waren auch noch zwei Stunden Zeit. Ein oder zwei Mal Marek ohne Föhnen war da absolut noch drin. Er wedelte sich mal eben schnell eine entsprechende Message vom Palm, direkt auf den Salonmonitor in Perllauerberg. Er freute sich schon teuflisch auf die hydraulische Up-and-Down-Funktion der Waxing-Liege dort. Mareks gruselige Vorliebe für befremdliche Kontaktlinsen blendete er einfach aus. Für mehr als Hinterhauptbetrachtungen, wollte er sich heute ohnehin keine Zeit nehmen.

 

 

7 Kommentare 25.1.09 15:47, kommentieren